Was ist Taizé?
Taizé ist ein kleines Dorf im französischen Burgund, das durch die in den 1940er Jahren gegründete ökunomenische Brüdergemeinschft „Communauté de Taizé“ (Gemeinschaft von Taizé) bekannt geworden ist. Seit den 1960er Jahren finden in Taizé ökumenische Jugendtreffen statt, bei denen sich Jugendliche aus der ganzen Welt treffen und über Glaubensfragen nachdenken und diskutieren.
Jugendtreffen in Taizé

Jugendliche aus der ganzen Welt treffen sich in Taizé
Die ökumenischen Jugendtreffen mit teilweise mehreren tausend Jugendlichen aus der ganzen Welt finden im wöchentlichen Rhythmus, von Sonntag bis Sonntag, statt.
Ein typischer Tagesablauf während einer Woche in Taizé beginnt mit dem Morgengebet um 8.15 Uhr und dem anschließenden Frühstück. Um 10 Uhr gibt einer der Brüder eine Bibeleinführung. Nach der Einführung durch den Bruder werden Gesprächsgruppen gebildet, in denen weiter über das Thema des Tages gesprochen wird, manchmal werden auch Fragen, die der Bruder gestellt hat, beantwortet und diskutiert. Um 12.20 Uhr folgt dann ein kurzes Mittagsgebet mit dem anschließenden Mittagessen. Nach einer kurzen Pause geht es dann um 15.15 Uhr entweder mit weiteren Gesprächsgruppen zur Vertiefung der Bibeleinführung vom Morgen weiter oder es folgt eine praktische Arbeit, wie etwa das Abendgebet vorbereiten, Essen kochen oder die Toiletten putzen. Je nach gewähltem Thema der Bibeleinführung bzw. der Arbeit kann der Tagesablauf auch umgekehrt sein, also morgens Arbeit und nachmittags die Bibeleinführung. Etwas später, um 17.15 Uhr gibt es Tee und Kekse, danach finden bis zum Abendessen um 19 Uhr Workshops zu verschiedensten Themen statt. Zum Abschluss des Tages findet das Abendgebet um 20.30 Uhr statt. Nach dem Abendgebet können die Besucher zum Oyak gehen und sich dort treffen, unterhalten und Musik machen. Jedoch wird in der Kirche auch noch weiter gesungen und gebetet, so dass man auch dort bleiben kann. Ab ca. 23.30 Uhr herrscht dann Nachtruhe auf dem Gelände.
Stichwort Gebete in Taizé
Die Gebete der Brüder von Taizé zusammen mit den Besuchern finden drei mal am Tag statt. In den Gebeten werden die bekannten meditativen Wiederholgesänge aus Taizé gesungen. Daneben gibt es Lesungen aus der Bibel, kurze Gebete und Fürbitten. Einen großen Teil der Gebete macht die Stille aus: für einige Minuten herrscht Stille in der Kirche und jeder hat Zeit für ein persönliches Gebet und zum Nachdenken.
Die Abendgebete am Freitag und Samstag sind besonders: Freitags findet das "Gebet um das Kreuz" statt, bei dem jeder die Möglichkeit hat, sich nach dem Abdendgebet vor die auf dem Boden liegende Kreuzikone zu begeben und dort zu beten. Samstags erhält jeder eine kleine Kerze, die während des Gebetes entzündet wird. So soll das Licht der Auferstehung symbolisiert werden.
Neben den Gebeten gibt es morgens vor dem Morgengebet eine katholische Eucharestiefeier in der Krypta. In Wochen mit vielen Besuchern finden zudem regelmäßig evangelische Gottesdinste und orthodoxe Messen in der Dorfkirche statt.
Stichwort Bibeleinführungen
Für die Besucher von Taizé finden täglich Bibeleinführungen statt. Bei der Ankunft in Taizé hat jeder Besucher die Möglichkeit, eines von zwei zur Auswahl stehenden Themen für die Woche zu wählen. Das erste Thema bezieht sich in der Regel auf den Jahresbrief, den der Prior von Taizé jedes Jahr verfasst, das zweite Thema ist meist ein Thema aus der Bibel.
Am Anfang der Bibeleinführungen stellt ein Bruder das Thema des Tages vor, zum Beispiel eine Stelle aus dem jährlichen Brief, eine Bibelstelle etc. und führt es etwas aus, erklärt Dinge oder stellt Fragen. Danach geht es in kleinen Gesprächsgruppen weiter, in denen sich ausgetauscht wird, in denen Diskusionen stattfinden und in denen Fragen beantwortet werden. Wie intensiv in den Gesprächsgruppen das Thema vertieft wird kann dabei jede Gruppe für sich selbst entscheiden.
Stichwort praktische Arbeiten
Ohne die praktischen Arbeiten wären die Treffen in Taizé nicht möglich, schließlich fällt bei bis zu 5000 Gästen einiges an Arbeit an. Ob Küchenarbeit oder Abwasch, Toiletten putzen oder Müll wegräumen, die Gebete vorbereiten oder nachts für Ruhe sorgen, für jeden gibt es etwas zu tun.
Die einzelnen Arbeitsgruppen werden von Permanents (siehe Für längere Zeit in Taizé bleiben) betreut und motiviert, schließlich soll man nicht nur einfach arbeiten, sondern auch Spaß bei der Arbeit haben.
Warum nach Taizé kommen?

Dreimal täglich finden die Gebete in der Kirche der Versöhnung statt
Warum sollte ich nach Taizé fahren? - Was macht Taizé aus, dass so viele (vor allem junge) Leute dort hin kommen? Diese Frage stellen sich selbst die Brüder von Taizé manchmal.
Und eine einfache Antwort auf diese Fragen gibt es wohl auch nicht.
Viele, die zum ersten mal "auf dem Hügel" sind, haben von Freunden über Taizé gehört und sind neugierig was sie dort erwartet. Andere sind schon seit langem auf der Suche nach Gott, nach ihrem Glauben, haben Fragen. Wieder andere suchen den Austausch mit anderen Jugendlichen, wollen mehr oder weniger Gleichgesinnte aus aller Welt treffen.
Gründe für einen Besuch in Taizé gibt es so viele wie Besucher, jeder hat seine eigenen Anliegen und Intentionen.
Für einige ist es wichtig, dass sie in Taizé so akzeptiert werden wie sie sind - es wird nicht gefragt, wer katholisch oder evangelisch ist; welches Bild man von Gott hat, dass bleibt jedem selbst überlassen; wie man sich kleidet oder welche Frisur man hat, diese Dinge sind eher nebensächlich in Taizé.
Andere schätzen mehr die Freiheit, die sie in Taizé haben. Es gibt nur einige wenige Grundregeln und jeder hat die Freiheit die Dinge zu tun, die er mag, solange er sich an die grundlegenden Regeln hält.
Und wieder andere gehen eine Woche in Stille um noch offener für Gott zu sein, um Zeit zum Nachdenken und zum Beten zu haben, um sich selbst zu erfahren.
All das sind mögliche Gründe um nach Taizé zu kommen. Aber, wie bereits erwähnt, jeder hat eigene Gründe, Absichten und Intentionen. Und Taizé ist so offen, dass dort all diese verschiedenen Meinungen, Gedanken und Absichten einen Platz finden.
Für längere Zeit in Taizé bleiben

La Morada aus dem Blickwinkel eines Permanents
Normalerweise bleiben Besucher für eine Woche in Taizé, manche bleiben auch zwei Wochen lang in Taizé. Darüber hinaus kann man auch noch länger bleiben, im Sommer für relativ kurze Zeit, drei Wochen, vier Wochen oder noch etwas länger. Man kann aber auch (nach Absprache mit den Brüdern bzw. Schwestern) noch länger bleiben, zum Beispiel ein halbes oder ganzes Jahr.
Wer länger als zwei Wochen in Taizé bleibt ist ein so genannter Permanent und lernt Taizé von einer etwas anderen Seite kennen. Die Mädchen leben dann im El Abiodh oder in den Baracken dahinter, die Jungen in Häusern im Dorf oder in La Morada. Als Permanent ist man einer der Leiter und Koordinatoren der Arbeitsteams und arbeitet mit den Besuchern zusammen. Im Gegensatz zu den normalen Besuchern haben Permanents morgens und nachmittags Arbeit, manchmal auch früh morgens oder abends, und oftmals auch nicht nur eine, sondern zwei oder drei verschiedene Arbeiten, die wöchentlich wechseln.
Natürlich soll bzw. darf der Glaube nicht zu kurz kommen, so dass es auch für Permanents regelmäßige Bibeleinführungen gibt. Nebenher finden noch so genannte Sharings statt, bei denen sich die Permanents untereinander über bestimmte Themen und Glaubensfragen austauschen. Ein zusätzlicher Austausch findet mit dem Kontaktbruder (Jungen) bzw. der Kontaktschwester (Mädchen) wöchentlich statt. In diesen „contact meetings“ kann man sich über alles Mögliche, unterhalten, von der Arbeit und dem Alltag in Taizé über allgemeines Weltgeschehen bis hin zu Glaubensfragen.
Wer plant für längere Zeit nach Taizé zu kommen, der sollte vorher schon mindestens einmal, besser noch mehrmals, in Taizé gewesen sein und schon vor dem geplanten Aufenthalt mit einem der Brüder bzw. Schwestern darüber sprechen. Mehr Infos gibt es dazu auf den Internetseiten von Taizé.
Taizé unterwegs: Europäische Jugendtreffen

Das europäische Treffen 2008-2009 in Brüssel
Jugendtreffen finden nicht nur in Taizé statt, sondern auch jährlich, jeweils zum Jahreswechsel, in einer großen europäischen Stadt. Ungefähr 40.000 Jugendliche und junge Erwachsene begeben sich dort auf den „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ um sich zu treffen, gemeinsam zu beten und sich auszutauschen.
Die Teilnehmer der Treffen werden (soweit freie Plätze vorhanden) in Gastfamilien in der gastgebenden Stadt untergebracht. Morgens finden ein Gebet sowie Gesprächsgruppen über den passend zum Treffen erscheinenden neuen Jahresbrief in den Kirchengemeinden nahe der Unterbringung statt. Zur Mittagszeit treffen sich alle Teilnehmer auf dem Messegelände der Stadt zu einem gemeinsamen Mittagessen und einem anschließenden Mittagsgebet mit den Brüdern aus Taizé. Nachmittags finden Workshops, Treffen und Themengruppen zu vielen verschiedenen Themen an mehreren Orten in der Stadt statt. Abends treffen sich alle wieder für das Abendessen und ein gemeinsames Gebet auf dem Messegelände.
Der Silvesterabend bzw. Jahreswechsel wird von den Jugendlichen in der Kirchengemeinde nahe ihrer Unterbringung mit einem gemeinsam vorbereiteten Gebet für den Frieden und dem anschließenden Fest der Nationen gefeiert.
Das letzte europäische Jugendtreffen (2009 - 2010) fand in Posen (Polen) statt, das nächste Treffen, dann zum Jahreswechsel 2010 - 2011, wird in Rotterdam in den Niederlanden stattfinden.
Neben den großen europäischen Treffen finden im Laufe des Jahres immer wieder kleinere Jugendtreffen in mehreren europäischen Ländern statt, im Jahr 2010 zum Beispiel in Porto (Portugal), in Sarajevo (Bosnien-Herzegowina) und in Oslo & Trondheim (Norwegen).
Eindrücke aus Taizé
Ich habe eine Bildergalerie mit einigen Bildern vom Alltag in Taizé zusammengestellt.
Außerdem kann man sich die Glocken von Taizé anhören:
Sound als MP3 oder OGG herunterladen.
Mehr über Taizé
- www.taize.fr - Die offizielle Internetseite der Communauté de Taizé
- Jugendtreffen.info - Eine deutsche Infoseite zu den Jugendtreffen
- domradio.de - Das Domradio über Taizé, mit Podcast der samstäglichen Lichterfeier
- taize.schrati.net - Die Homepage einer ehemaligen Permanente
- nomp.de - Die Homepage eines ehemaligen Permanent
- Die sehr ausführliche Taizéseite von Werner David
- Taizé in der OpenStreetMap
- Gesänge aus Taizé auf YouTube (hochgeladen vom Benutzer Ziegelwiese)